2015 : UNTERM RADAR

FdK | Wir fahren im Kreis 01 | Foto © Reinhard Winkler

Im nun zuende gehenden Jahr 2015 gab’s einige performative Projekte mit kleiner Öffentlichkeit, kurzer Laufzeit oder wenig social media Präsenz. Auch war nicht immer Zeit, den Projekten hier eigene Beiträge zu widmen. Herr Zett blickt also noch einmal freundlich auf dieses vielfältige Jahr zurück… [Bei den Galerien einfach auf ein Vorschaubild klicken, um die Bilder größer zu sehen!]

Mai | DER ZAUN

Die dieses Jahr begonnene, von Magnus Hofmüller kuratierte Reihe »LENTOS X park« mit Projekten im öffentlichen Raum rund um das LENTOS Kunstmuseum in Linz, durfte Herr Zett gemeinsam mit Claudia Seigmann mit »DER ZAUN« eröffnen. Dass Anfang Mai die großen Debatten um neue Zäune, die dann im Sommer und Herbst den politischen und medialen Diskurs überschwemmt haben, in Spuren vorweggenommen wurden, sorgt in der Rückschau für leichtes Gruseln: Entlang einer 80 Meter langen Zaunskulptur wurden Gespräche mit Zaungästen geführt, erschien der Zaun als Grenze zwischen einem abstrakten »wir« und einem »ihr« auf der anderen Seite und wurde für PassantInnen, RadfahrerInnen und SpaziergängerInnen geöffnet. Die Gespräche kreisten um Grenzen in der Stadt, innere Grenzziehungen und neue Zäune.

Juni | CIRCUS OF LIFE A–Z

Als Ergänzung zum ausführlichen Ankünder im Blog kann Herr Zett nun auf das Video-Archiv dieses monströsen Gesamtkunstwerks verweisen. Eine theatrale, performative, installative und interaktive Betrachtung zeitgenössischen Lebens in 26 Schlagworten, denen an zwei Abenden jeweils eine halbe Stunde gewidmet war. Herr Zett stellt in B eine Übersetzung des Beatles-Klassikers »When I’m Sixty-Four« ins Wienerische vor, hält in D eine sehr spezielle Begräbnisrede, gibt bei F hochkonzentriert Originalzitate des Komponisten Morton Feldman wieder, amüsiert sich in G über ein fiktives Projekt des Architekten Frank Gehry, springt in I durch ein IKEA-Musical, erzählt in J einen Witz oder zwei, liest in K Zitate zur Wirtschaftsgeschichte und huldigt in M dem Macintosh-Popanz. In O stellt er fast nackt die fünf Weltreligionen durch, moderiert in P Porno für Blinde, gibt in R den Nachtradio-Talkmaster, nimmt bei T an einem Tarantino-Acting-Workshop teil, liest in W Augenzeugenberichte aus Kriegen, trällert in X einen tragikomischen Abgesang auf den »Straight White Male« und scheißt sich in Z vor Zizek an. Wer zwischen den Jahren noch nichts vor hat, hier ist alles online (und vieles mehr mit unglaublich guten KollegInnen): toxic tube @ vimeo

Oktober | HERR & FRAU MEISE SETZEN ÜBER

Im Rahmen des HOTEL OBSCURA, das DIE FABRIKANTEN im und um das magdas Hotel in Wien betrieben, übernahmen Herr & Frau Meise das Shuttle vom Hotel zu einer nahe gelegenen Wohnung und machten den zwanzigminütigen Transfer zu einer atmosphärischen Fluchtgeschichte (mit Frau Meise), bzw. zum Beginn eines Lebens mit neuer Identität (Herr Meise solo). Schon beim Einsteigen ging das Wasser im Fahrzeug den jeweils einzeln mitfahrenden Gästen bis über die Schuhspitzen…

Herr & Frau Meise setzen über | Foto © HOTEL OBSCURA / Magdalena Blaszczuk

Mai & November | freundinnen der kunst

Die in Linz ansässigen »freundinnen der kunst« folgten ihrem Jahresmotto »2015 sind wir mehr« und luden andere KünstlerInnen ein, mindestens temporär eine »freundin der kunst« zu sein. Neben Maria Meusburger-Schäfer, Claudia Seigmann und Marion Klimmer schlüpfte auch Herr Zett in die freundinnenrolle. Am Beginn stand eine Einladung zum Go-Kart-Fahren: »Wir fahren im Kreis« drehte sich Ende Mai um eingefahrene Muster; die Schwierigkeit, im prekären Künstlerinnendasein eine Gemeinschaft zu bleiben und Neues zu wagen, sowie die Frage, wie aus diesen Kreisen ausgebrochen werden kann. Das führte zu weiteren Gesprächen über gewollten Kontrollverlust und notwendige Schutzmaßnahmen und mündete in eine Sturzhelm-Intervention mit dem Titel »CONTENT MAY BE ART« bei der Vernissage der Jahresausstellung der Galerie Forum in Wels.

Soweit mal für 2015. Over and out.