toxic dreams : Thomas B. or Not

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»Mainstream und Avantgarde – sie sind in Thomas B or Not (Text, Regie, Bühne: Yosi Wanunu) gar ein personifiziertes Paar. Der arrivierte Dichter (Markus Zett) und seine Langzeitfreundin (Anna Mendelssohn), eine Performancekünstlerin, tüfteln an einem Theaterstück über ihr Privatleben. Es ist ein süffiger, tabuloser, schelmischer Dialog, dem Wanunu durch eine vorgeschobene Erzählebene auch postmoderne Ruhe gewährt (da Schauspieler ihren Figuren gegenüber Distanz einnehmen).«

Margarete Affenzellers Besprechung für »Der Standard« fasst die Grundkonstellation sehr schön zusammen und nennt das Ganze eine »famose Screwball-Comedy«. Yosi Wanunu hat einen großen Stück-im-Stück Spaß geschrieben und untersucht damit im Rahmen des »The New Old«-Zyklus von toxic dreams die Form der Filmkomödien der 1930er/40er-Jahre für das zeitgenössische Theater neu.

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In rasantem Tempo treibt diese wortreiche Satire auf den Theaterbetrieb ihre zwei so gegensätzlichen und doch so aufeinander bezogenen zentralen Figuren einem konsequenten, spannenden und überdrehten Ende entgegen: Das Stück, das die beiden schreiben, wird im vierten Akt geprobt und kommt im fünften in der »Burg« zur Aufführung. Die Verhältnisse zwischen der sogenannten Wirklichkeit und dem Theater, der Authentizität und dem Spiel, der Bühne und dem Zuschauerraum geraten in heftige Oszillationen wenn Schauspieler (Susanne Gschwendtner und Yosi Wanunu) die beiden Künstler spielen, eine israelische Regisseurin (Anat Stainberg) versucht dem Stück ihren eigenen Stempel aufzudrücken und die Burg-Direktorin (Stephanie Cumming) an ihrer PR-Kampagne dafür strickt.

Das lässt sich, wie in den Aufführungen nicht zuletzt durch viel Gelächter spürbar wird, als Komödie genießen, auch wenn eine gewisse Happy-End-Verweigerung nicht von der Hand zu weisen ist. Es steht aber darüber hinaus in einer Reihe mit vielen anderen toxic dreams Projekten, die dem linken Diskurs auf den Zahn fühlen: Ist der linke Konservatismus wirklich eine legitime Antwort auf die durch so viel rapide Veränderung verursachte Zerstörung an gesellschaftlichem Zusammenhalt und intellektuellen Freiräumen? Und was wurde aus den großen emanzipatorischen Projekten der Moderne?

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Thomas B. or Not
So 25. – Do 29. September 2016  20 Uhr
brut Wien, Karlsplatz 5, 1010 Wien

Karten: online auf www.brut-wien.at oder an der Abendkassa
Infos: Tel. 01/587 05 04 oder tickets@brut-wien.at
(ACHTUNG: Es gibt nur Kaufkarten, Reservierungen sind nicht möglich)

ER: Markus Zett, SIE: Anna Mendelssohn, In der Rolle des ER: Yosi Wanunu, In der Rolle der SIE: Susanne Gschwendtner, Die Burg Direktorin: Stephanie Cumming, Die israelische Regisseurin: Anat Stainberg, Die Regieassistentin, der Nazi u.a.: Isabella-Nora Händler

Video und Musik: Michael Strohmann
Text, Regie und Bühne: Yosi Wanunu
Produktion: Kornelia Kilga


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Alle Fotos © toxic dreams / TimTom